Tierfreundlicher Garten im Siebengebirge: Kleine Oasen für große Vielfalt schaffen

Veröffentlicht von Rosi Würtz am

Ein tierfreundlicher Garten ist viel mehr als ein schöner Ort mit Blumen, Gemüsebeeten und einer gemütlichen Sitzecke. Er ist ein Lebensraum. Gerade in einer Region wie dem Siebengebirge, das für seine vielfältige Natur- und Kulturlandschaft bekannt ist, können auch private Gärten einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten. Zwischen Wäldern, Streuobstwiesen, Bachtälern und alten Kulturlandschaften entstehen viele kleine Inseln, die Tieren Nahrung, Schutz und Lebensräume bieten können.

Dabei muss ein tierfreundlicher Garten nicht perfekt aussehen. Im Gegenteil: Ein bisschen Wildnis ist ausdrücklich erwünscht. Eine Ecke mit Laub, verblühte Stauden im Winter, ein alter Baumstamm oder eine kleine Wasserstelle können für viele Tiere wertvoller sein als ein penibel gepflegter Garten ohne natürliche Strukturen.

Mein eigener Garten wird dabei immer mehr zu einem kleinen Forschungsprojekt: Welche Pflanzen locken welche Tiere an? Welche Bereiche werden gerne angenommen? Und wie können wir Menschen mit einfachen Veränderungen mehr Natur in unseren Alltag holen?

In diesem Blogbeitrag entsteht derzeit eine Art Garten-Tagebuch. Seit Juni 2024 nehme ich das Projekt „Hausgarten-Neugestaltung“ wieder in Angriff und berichte hier, wie ich unseren Garten tierfreundlich einrichte. Kein leichtes Projekt, schließlich ist Zeit eine Ressource, die wohlüberlegt im Alltagsgeschehen genutzt werden muss. Also dann, prost ahoi auf unseren Hausgarten und seine Mitbewohner:innen!

Warum naturnahe Gärten im Siebengebirge besonders wichtig sind

Das Siebengebirge gehört zu den artenreichsten Landschaftsräumen Nordrhein-Westfalens. Die Mischung aus Waldflächen, offenen Wiesen, Weinbergen, Streuobstwiesen und Gewässern schafft Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Doch viele Arten verlieren zunehmend ihre natürlichen Rückzugsorte. Lebensräume werden kleiner, Nahrungspflanzen verschwinden und Landschaften werden stärker genutzt.

Genau hier können Gärten helfen. Ein einzelner Garten rettet natürlich nicht die Artenvielfalt. Aber viele naturnahe Gärten zusammen ergeben ein Netzwerk aus kleinen Lebensräumen. Für Insekten, Vögel, Igel oder Amphibien können diese grünen Inseln wichtige Trittsteine sein.

Vielleicht summt es dann plötzlich wieder häufiger im Garten, ein Schmetterling entdeckt die neue Blühfläche oder ein Vogel findet im Winter eine zusätzliche Nahrungsquelle.

Natur beginnt nicht erst im Wald. Sie kann direkt vor unserer Haustür entstehen.

Heimische Pflanzen sind der Schlüssel für mehr Artenvielfalt

Eine der wichtigsten Regeln für einen tierfreundlichen Garten lautet: Setze auf heimische Pflanzen.

Viele exotische Zierpflanzen sehen wunderschön aus, bieten unseren heimischen Tieren aber oft keinen Nutzen. Manche Insekten sind sehr spezialisiert und können nur bestimmte Pflanzen als Nahrung nutzen. Besonders Wildbienen benötigen häufig ganz bestimmte Pflanzenarten, um ihren Nachwuchs zu versorgen.

Heimische Wildpflanzen sind dagegen perfekt an unsere Region angepasst.

Im Siebengebirge und der Umgebung eignen sich beispielsweise:

  • Wilde Karde
  • Wiesensalbei
  • Natternkopf
  • Glockenblumen
  • Schafgarbe
  • Margeriten
  • Wilde Möhre
  • Blutweiderich
  • Johanniskraut
  • Flockenblumen

Auch heimische Sträucher sind unglaublich wertvoll:

  • Weißdorn
  • Schlehe
  • Haselnuss
  • Holunder
  • Wildrose

Sie bieten Nahrung, Verstecke und Brutplätze. Eine Hecke aus heimischen Gehölzen ist deshalb nicht nur eine Grundstücksbegrenzung, sondern ein kleines Biotop. Mir ist klar, dass unsere naturnahen Gärten nur ein Teil des großen Ganzen sind und dass wir vor allem unsere Form der kommerziellen Landwirtschaft ändern müssen, um unserem Leben auf Planet Erde eine nachhaltige Zukunft zu gewährleisten. Hier in diesem Blogbeitrag konzentriere ich mich jedoch auf die naturnahe Gartengestaltung.

Blumenwiese statt englischer Rasen

Der klassische Rasen gehört für viele Menschen zum Garten dazu. Doch eine kurz gemähte Fläche ist ökologisch betrachtet eher eine grüne Wüste. Wenige Pflanzenarten, wenig Nahrung und kaum Verstecke machen es Tieren schwer.

Eine kleine Blumenwiese kann dagegen unglaublich viel Leben anziehen.

Schon eine ungemähte Ecke im Garten kann ein Anfang sein.

Wichtig ist: Eine Wildblumenfläche braucht Geduld. Im ersten Jahr sieht sie manchmal noch unspektakulär aus. Doch mit der Zeit verändert sich der Garten. Neue Pflanzen tauchen auf, Insekten finden Nahrung und die Fläche entwickelt ihren eigenen Charakter.

Auch weniger Mähen hilft. Vielleicht wird aus dem klassischen Rasen einfach eine Gartenwiese mit unterschiedlichen Bereichen:

  • eine ausreichend große Fläche zum Sitzen und Spielen
  • eine wilde Ecke für Tiere
  • ein Blühbereich für Insekten

So entsteht ein Garten, der für Menschen und Tiere funktioniert.

Insektenfreundlicher Garten: Nahrung vom Frühling bis zum Herbst

Ein häufiger Fehler bei der Gartengestaltung ist, nur an den Sommer zu denken. Doch gerade im zeitigen Frühjahr benötigen viele Tiere dringend Nahrung.

Die ersten Wildbienen sind bereits unterwegs, wenn noch kaum etwas blüht.

Wertvolle Frühblüher sind zum Beispiel:

  • Weiden
  • Krokusse
  • Lungenkraut
  • Schlüsselblumen
  • Wildtulpen

Im Sommer übernehmen Stauden und Wildblumen die Versorgung:

  • Lavendel
  • Katzenminze
  • Salbei
  • Dost
  • Fetthenne

Im Herbst sind spät blühende Pflanzen besonders wichtig:

  • Astern
  • Herbstanemonen
  • Sonnenhut
  • Efeu

Gerade Efeu wird oft unterschätzt. Die späte Blüte ist für viele Insekten eine wichtige Energiequelle.

Ein Garten braucht nicht nur Futter, sondern auch Wohnraum

Ein tierfreundlicher Garten besteht nicht nur aus Pflanzen. Tiere brauchen auch Verstecke und Nistmöglichkeiten.

Eine kleine Ecke mit Totholz kann beispielsweise ein wertvoller Lebensraum werden. Käferlarven, Wildbienen und andere kleine Bewohner nutzen solche Strukturen.

Auch Laubhaufen sind kein Abfall. Sie bieten:

  • Igeln einen Überwinterungsplatz
  • Insekten Schutz
  • Bodenlebewesen Nahrung

Ein aufgeräumter Garten sieht vielleicht ordentlich aus – ein lebendiger Garten erzählt dagegen Geschichten.

Wasserstellen: Kleine Oasen für Tiere

Wasser ist im Garten ein echtes Highlight. Dabei muss es nicht gleich ein großer Gartenteich sein. Schon eine flache Schale mit Wasser kann helfen.

Wichtig:

  • Steine oder Äste hineinlegen, damit Tiere sicher landen können
  • Wasser regelmäßig wechseln
  • keine tiefen Gefäße ohne Ausstiegsmöglichkeiten verwenden

Vögel nutzen solche Stellen zum Trinken und Baden, Insekten benötigen Wasserquellen und auch kleine Säugetiere profitieren davon.

Eine natürliche Wasserstelle bringt oft erstaunlich schnell Leben in den Garten.

Vögel willkommen heißen

Wer Vögel im Garten beobachten möchte, sollte ihnen verschiedene Angebote machen.

Wichtig sind:

  • heimische Gehölze mit Beeren
  • Samenstände von Stauden
  • dichte Sträucher als Schutz
  • Nistmöglichkeiten

Eine Vogelhecke aus Holunder, Weißdorn oder Schlehe ist ein wahres Mehrgenerationenhaus: Sie bietet Nahrung, Schutz und Brutplätze.

Auch im Winter lohnt es sich, an Vögel zu denken. Besonders bei Frost und Schnee sind natürliche Nahrungsvorräte wertvoll.

Igel, Eidechsen und andere Gartenbewohner

Nicht jeder tierische Besucher fällt sofort auf. Unter Blättern, zwischen Steinen oder im Kompost leben zahlreiche kleine Gartenbewohner.

Ein naturnaher Garten unterstützt beispielsweise:

Igel

Igel benötigen strukturreiche Gärten mit Verstecken und Durchgängen. Ein kleiner Spalt im Zaun kann schon helfen, damit sie zwischen Gärten wandern können.

Eidechsen

Sonnige Steinbereiche oder Trockenmauern bieten Reptilien Wärmeplätze und Rückzugsorte.

Amphibien

Frösche und Kröten profitieren von feuchten Bereichen, Laubhaufen und naturnahen Wasserstellen.

Garten ohne Gift: Natur funktioniert als Kreislauf

Ein tierfreundlicher Garten verzichtet möglichst auf chemische Pflanzenschutzmittel.

Warum? Weil jedes Lebewesen Teil eines Kreislaufs ist.

Wenn Blattläuse auftauchen, kommen häufig auch ihre natürlichen Gegenspieler:

  • Marienkäfer
  • Florfliegen
  • Schwebfliegen

Ein Garten muss nicht frei von kleinen Fraßspuren sein. Eine angeknabberte Pflanze ist oft ein Zeichen dafür, dass Leben stattfindet.

Gemüse anbauen und Tiere einladen

Auch ein Nutzgarten kann tierfreundlich sein. Gemüsebeete und Artenvielfalt schließen sich nicht aus.

Zwischen Tomaten, Zucchini und Kräutern können Blühpflanzen wachsen:

  • Ringelblumen
  • Kapuzinerkresse
  • Borretsch

Diese Pflanzen locken Insekten an und machen den Garten gleichzeitig bunter.

Auch Kräuter dürfen blühen. Schnittlauch, Oregano oder Thymian sind während der Blüte wahre Insektenmagnete.

Mein Garten als kleines Naturtagebuch

Was ich besonders spannend finde: Ein tierfreundlicher Garten verändert sich ständig.

Jede Jahreszeit bringt neue Beobachtungen.

Im Frühling beginnt das Summen der ersten Wildbienen. Im Sommer entdecken Schmetterlinge neue Blüten. Und im Herbst suchen Tiere nach Winterquartieren.

Mit der Zeit lernt man seinen eigenen Garten neu kennen.

Vielleicht entdeckt man plötzlich Arten, die man vorher nie wahrgenommen hat.

Genau darin liegt für mich die besondere Magie eines naturnahen Gartens:

Er ist kein fertiges Projekt. Er ist ein lebendiger Ort, der sich entwickelt.

Kurzer Rückblick auf die vergangenen Gartenjahre

6. August 2021: Gleich startet der Online-Vortrag „Sommergarten“. Die Veranstaltung habe ich gestern auf der Facebook-Seite vom Forschungsmuseum Alexander Koenig entdeckt. Im vergangenen Jahr habe ich schon einige Ecken in unserem Garten tierfreundlich gestaltet. Doch Tipps von Profis können nicht schaden. Außerdem geht garantiert noch mehr in Sachen „Tierfreundlicher Garten“.

Biologische Vielfalt

Unter dem Titel „Unsere Gärten als Oasen für einheimische Pflanzen und Tiere?“ beginnt der Vortrag von Andrea Muno-Lindenau. Was können wir also tun, um der Natur Gutes zu tun? Das Projekt „Tausende Gärten Tausende Arten“ hat Antworten hierauf, die in dieser Präsentation genannt werden.

Die Beziehung zwischen Pflanzen und Tieren ist eine ganz besondere. Wir können ihnen durch eine naturnahe Gartengestaltung bei ihrer Beziehungspflege helfen. Wow, so könnte beispielsweise der Hauhechel-Bläuling seinen Weg in unsere heimischen Kleinoasen finden, wenn er denn einen leckeren Landeplatz in Form einer geeigneten Pflanze findet.

Heimische Wildpflanzen

Per Definition haben sich heimische Wildpflanzen auf natürliche Weise und durch Menschen vor der Entdeckung Amerikas 1492 angesiedelt. Futter für Insekten reicht jedoch alleine nicht aus. Artgerechte Nistplätze müssen ebenso für die Arten vorhanden sein. Ein Beispiel sind das Taubenschwänzchen, Nelkenpflanzen und das Labkraut. Ein ganz einfaches Schlüssel-Schloss-Prinzip, das aber sehr empfindlich ist!

Invasive Neophyten breitet sich unheimlich schnell aus und das ist das Problem. Zusammenhänge erkennen und verstehen ist die große Herausforderung für uns alle. Ein paar beeindruckende Zahlen zum Schluss meines Kurzberichts: In Deutschland haben 58 Millionen Menschen einen Balkon oder eine Terrasse, 36 Millionen Menschen steht ein Garten zur Verfügung.

Mein tierfreundlicher Garten reloaded

Mit der App „iNaturalist“ dokumentiere ich, welchen Mitbewohner:innen ich in unserem tierfreundlichen Garten begegne. Wer meinen Beobachtungen und Entdeckungen folgen möchte, findet mein Profil in der App unter „kinnikletterdrache“ oder auf der Website inaturalist.org.

Hungrige Schnecken im Garten

Der milde Winter, der andauernde Regen und viele leckere Pflänzchen bieten den diesjährigen Schnecken in unserem Garten beste Voraussetzungen für einen großen Kahlschlag. Einerseits frustriert mich die Tatsache, dass meine selbstgezogenen Tomaten- und Zucchinipflanzen ins Jenseits befördert wurden. Andererseits nehme ich die Situation gelassen hin, weil ich mein Gemüse auch in Geschäft kaufen kann. Außerdem macht mich die aktuelle Situation neugierig, welche Pflanzen den hungrigen Schnecken standhalten. Momentan steht nur der Salbei und ein paar etwas größere Tomaten mehr als eine Woche unberührt im Beet. Meine Sonnenblume, die kleinen Lavendel-Pflanzen vor dem Hauseingang und die Kapuzinerkresse scheinen auch nicht auf dem Speiseplan der Mollusken zu stehen. Außerdem werde ich es in den nächsten Tagen (heute: 20.06.2024) mit folgenden Pflanzen probieren:

  • Rosmarin
  • Oregano
  • Bergbohnenkraut
  • Colakraut
  • Pfefferminze
Kategorien: KulturNatur

2 Kommentare

Darmstadt-Kranichstein: Naturschutz im Stadtrandviertel - Kathrin Rosi Würtz · November 15, 2025 um 11:21 a.m.

[…] Sabine eine Spazierrunde um unseren Erich-Kästner-See. Nach all den vielen Jahren in Bonn und dem Siebengebirge ist meine Nähe zu Kranichstein nicht verloren gegangen, weshalb meine Liebe zum heimischen […]

Tag der Artenvielfalt - Abenteuer Siebengebirge · März 3, 2026 um 3:18 p.m.

[…] Tierfreundlicher Garten […]

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