Interview mit Expeditionsfotografin Ulla Lohmann

Veröffentlicht von Rosi Würtz am

Ulla wurde 1977 in Kaiserslautern geboren. Im Frühstücksfernsehen habe ich das erste Mal von ihr und ihrer Arbeit als Expeditionsfotografin gehört. Seitdem verfolge ich Ullas Tätigkeit und freue mich sehr, dass sie mir dieses Interview gegeben hat.

Frage 1: Welche Bedeutung hat das Thema „Bewegung“ für dein Leben als Expeditionsfotografin?

Ulla Lohmann: Schon als Kind war ich immer in Bewegung und konnte nie stillsitzen. Das ist auch heute nicht anders. Ich bin als Expeditionsfotografin viel unterwegs und muss extrem fit sein, muss aber stellenweise auch wochenlang im Zelt auf gutes Wetter warten oder im Büro am Schreibtisch sitzen. Das finde ich furchtbar!!! Aber ich lerne (seit Jahren), geduldiger zu sein. Irgendwann klappt es bestimmt!

Für mich heißt „Bewegung“ aber auch, sich geistig immer weiter zu entwickeln. Meine größte Motivation ist die Neugier. Ich bin unwahrscheinlich neugierig auf das, was andere Menschen antreibt und wie sie leben; auf die Natur, wie es hinter der nächsten Ecke aussieht; und auf mich selbst, wie ich in bestimmten Situationen reagiere, was ich leisten kann und will und wie sehr mich meine Leidenschaften antreiben.

Frage 2: Du bist immer wieder auf Reisen wie beispielsweise an den Rand von Lavaseen und über die Dolomiten. Wie bereitest du dich auf die extremen Bedingungen vor?

Ulla Lohmann: Mit meinem Mann Basti wohne ich am Alpenrand, da ist das Trainingsgelände vor der Haustüre: Im Sommer gehen wir alpin klettern, das heißt wir klettern lange Routen im Gebirge, im Winter gehen wir Skitouren. Falls das Wetter und die Zeit dies nicht zulassen, geht’s in die Kletterhalle oder an das Trainigsboard zu Hause. Für die Zeit im Büro oder beim Warten im Zelt habe ich einfache Übungen (Liegestützen, Unterarmstütz etc), die nicht viel Platz und Zeit brauchen, aber schnell auspowern. Das mache ich fast jeden Tag.

Das folgende Video zeigt Ulla Lohmann während der SDG Awards auf dem Global Festival of Action 2018 in Bonn: My Story of the GLOBAL FESTIVAL OF ACTION 2018

Frage 3: Was motiviert dich, in extremen Situationen weiterzumachen?

Ulla Lohmann: Das Fotografieren. Meine eigentliche Leidenschaft sind die Fotos. Basti ist ein fotografierender Bergsteiger und ich die bergsteigende Fotografin. Ich gebe schneller auf, wenn ich keine Kamera in der Hand habe. Mir macht es unwahrscheinlich viel Spaß, durch meine Fotos oder Videos unsere Erlebnisse mit anderen zu teilen und Menschen dadurch zu inspirieren, selbst aufzubrechen. Außerdem war ich früher Leistungsturnerin (2x Deutscher Meister TGM mit der Mannschaft), da lernt man, nicht aufzugeben.

Frage 4: Welche Fotoarbeiten anderer Fotografen haben dich bisher bewegt und inspirieren deine Tätigkeit?

Ulla Lohmann: Carsten Peter, ein fantastischer Abenteuerfotograf. Ich hatte das Glück, bei einer seiner Expeditionen als Köchin / Campassistent dabei sein zu dürfen und habe durch Beobachten viel gelernt.

David Alan Harvey, für mich der beste People Fotograf. Es sieht immer so aus, als würde er nur mit der Kamera spielen und heraus kommen zauberhafte und bewegende Bilder. Ich durfte ihm bei seinen Workshops assistieren. Er hat mir auch empfohlen, die frühen Fotografen, wie z.B. Henri Cartier-Bresson und Ansel Adams zu studieren und mich an ihnen zu orientieren. Ein toller Tipp!

Gemeinsam mit Ulla Lohmann und Shanthi Mary Würtz im Rautenstrauch-Joost-Museum Köln, 25.02.2018

Frage 5: Welche Projekte stehen als nächstes auf deiner Expeditionsliste?

Ulla Lohmann: Das darf ich leider noch nicht sagen. Viele unserer Projekte sind streng geheim. Es wird mehrere Reisen in den Osten Europas geben, eine Expedition nach Südamerika, und wie jedes Jahr sind wir mit fotobegeisterten Reiseteilnehmern in Papua Neuguinea, Vanuatu und Australien unterwegs. Ich werde weiterhin in Bewegung bleiben!

Vielen herzlichen Dank für dieses Interview!

[Kathrin Rosi Würtz, 2016] Übersicht Quadratlatschen-AKTIV-Interviews


Buchrezension: Ich mach das jetzt!

Was habe ich mich über das neue Buch von Ulla Lohmann gefreut. Ein Abenteuerbuch von vorne bis hinten, das ich quasi verschlungen habe. Bei Vulkanen kann ich einfach nicht anders als mit Freude davon zu sprechen. Schon als Kind faszinierten mich die großen Felsbrocken in der Eifel, die einst bei einem Vulkanausbruch dorthin geschleudert wurden. Faszinierende Zeugen einer vergangenen Zeit. Doch unser Erdinneres ist ständig in Bewegung! Und hiervon berichtet die Expeditionsfotogratin Ulla Lohmann.

Cooles Buch, in dem es heiß hergeht zum Mittelpunkt der Erde

Es ist doch eigentlich ein verrückter Gedanke, das brodelnde Innere unserer Erde sehen zu können. Und tatsächlich: In sogenannten Lava-Seen können wir die ungebändigte Kraft der Natur erleben. Auf die Reise zu einem solchen Lava-See nimmt uns Ulla in ihrem Buch mit. Spannend erzählt sie von ihrem langen Weg dorthin, denn eine solche Reise verlangt eine präzise Planung und Vorbereitung.

Ullas Fotos von ihren Expeditionen sind spektakulär. Erst letztes Jahr hatte ich das Glück, einen Live-Vortrag von ihr während der PHOTOKINA in Köln miterleben zu dürfen. Und auch während der Lektüre ihres neuen Buches hatte ich das Gefühl, mit am Kraterrand zu stehen und in das „pulsierende Herz unserer Erde“ zu sehen. Und in diesem Sinne kann ich jeder abenteuerlustigen Leseratte diesen Reisebericht empfehlen: alle Daumen hoch!

Kategorien: Quadratlatschen-AKTIV-Interviews

1 Kommentar

Interviews - Kathrin Rosi Würtz, M.A. · Mai 20, 2022 um 8:32 am

[…] Lohmann, Ulla (Expeditionsfotografin) […]

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