Interview mit den Autoren von Stadtnomaden

Veröffentlicht von Rosi Würtz am

Bevor es mit dem Interview losgeht, vorab ein paar Infos zu den Stadtnomaden Christina und Felix:

Christina Horsten ist New York-Korrespondentin der Deutschen Presse-Agentur dpa. Sie wuchs in Bonn, Prag und in Berlin auf, wo sie an der Freien Universität promovierte. Für die dpa kehrte sie 2012 zurück in ihre Geburtsstadt New York und lebt dort heute mit Felix und ihrer kleinen Tochter Emma.

Felix Zeltner ist Journalist und Mitgründer der New Yorker Firma Work Awesome, die weltweit Konferenzen und Workshops zur Zukunft der Arbeit organisiert. Er stammt aus Nürnberg und absolvierte die Deutsche Journalistenschule in München. Für seine Arbeit (Arte, ARD, Der Spiegel) wurde er mehrfach ausgezeichnet.

Mehr zum Buch Stadtnomaden und den Autoren: www.stadtnomaden-buch.de & www.instagram.com/nyc12x12/

Eine Hand voll Fragen an Christina Horsten und Felix Zeltner

Frage 1: Welche Rolle spielt das Thema „Bewegung“ in Ihrem Leben?

Christina: Eine absolut entscheidende! Um mit Herbert Grönemeyer zu sprechen: „Stillstand ist der Tod, geh voran, bleibt alles anders.“

Felix: Das gilt ganz besonders für New York. Es ist nicht nur die Stadt, die sich am schnellsten dreht, es ist auch der einzige Ort in den USA, den man zu Fuß besser erobern kann als mit dem Auto. Man ist immer in Bewegung und muss fit bleiben, allein schon um die vielen U-Bahn-Treppen zu meistern.

Frage 2: Sie leben seit einigen Jahren in New York und sind beruflich als Journalisten unterwegs. Wie sieht Ihrer Meinung nach ein gesunder Arbeitsalltag aus?

Christina: Nach der bestmöglichen work-life-balance streben wir wohl alle, aber die New Yorker haben sie definitiv nicht gefunden, hier arbeiten eigentlich alle immer. Wir arbeiten sicher auch viel zu viel – aber unsere Arbeit macht uns glücklicherweise auch wahnsinnig viel Spaß und ist sehr abwechslungsreich.

Felix: Ich beschäftige mich beruflich mit der Zukunft der Arbeit und veranstalte Konferenzen, Journeys und Workshops rund um das Thema – in den USA, aber auch in Deutschland. Ein gesunder Arbeitsalltag sieht für immer mehr Menschen so aus, dass sie auf den Ort, die Zeit und die Intensität ihrer Arbeit größeren Einfluss haben.

Eine Reaktion der jüngeren Generation darauf ist, sich selbstständig zu machen. Es gibt so viele Freelancer wie noch nie – eine Gewerkschaftsstudie schätzt, dass in den USA schon in zehn Jahren mehr als die Hälfte der Bevölkerung freiberuflich arbeiten wird. Gleichzeitig lösen sich durch das Smartphone die Grenzen zwischen Arbeitszeit und Freizeit auf, was eine völlig neue Herausforderung für jeden Einzelnen, aber auch Paare, Familien und ganze Firmen ist.

Gesund heißt für mich persönlich, selbstbestimmt zu arbeiten, das Phone auch mal weglegen zu können – und sich am Ende des Tages über die Dinge zu freuen, die man geschafft hat.

Frage 3: Wie halten Sie sich ganz persönlich fit und gesund?

Christina: Yoga, Pilates, Joggen, Schwimmen, Sauna, Dampfbad, Ausflüge an der frischen Luft – so oft es geht.

Felix: Gesundes Essen macht in New York zum Glück einen riesen Spaß – es gibt eine ungeheure, unschaffbare Fülle an gesundem Essen aus allen Weltregionen. Das versuchen wir zu nutzen. Was fit halten angeht, gibt es diesen schönen Spruch “ohne Kinder hat man Zeit, mit Kindern hat man Momente”. Yoga und Schwimmen sind perfekte Moment-Sportarten, und ich jogge auch gerne und sause mit dem Fahrrad-Sharing von Citi Bike durch die Stadt.

Frage 4: Meine Webseite www.Expedition-Siebengebirge.de befasst sich vor allem mit der Natur direkt vor unserer Haustür. Wo ist Ihr Lieblingsort draußen an der frischen Luft und warum?

Christina: Hier in New York ist das natürlich der Central Park, der liegt glücklicherweise wirklich fast direkt bei uns vor der Haustür. Da kann man die Stadt ganz hinter sich lassen, frische Luft atmen und auch mal einen ganzen Tag verbringen.

Felix: Da geht’s mir genauso. Auch toll: Wave Hill in der Bronx – und die North Fork von Long Island. In Deutschland bin ich am liebsten auf der Hofgemeinschaft meines Vaters in der fränkischen Schweiz.

Frau Horsten, Sie sind u.a. in Bonn groß geworden. Welche Erinnerungen haben Sie an das Siebengebirge?

Christina: Nur die allerbesten! Ich war als Kind wirklich ständig im Siebengebirge, weil ich mit meinen Eltern in Bonn gewohnt habe und meine Oma in Unkel. Meine Großeltern haben dort früher das Café Driesch betrieben. Petersberg, Drachenfels, Weingut Sülz – all das war jahrelang festes Wochenendprogramm und hat mir sehr viel Spaß gemacht. Inzwischen leben meine Eltern in Berlin, aber das Siebengebirge wird für mich immer ein Stück Kindheit und Heimat bleiben – und ich schaue immer wieder gerne vorbei!

Frage 5: Und zum Schluss eine typische Quadratlatschen-Frage: Welche Schuhe ziehen Sie am liebsten an und warum tragen Sie diese so gerne?

Christina: Ich habe nach dem ganzen Ausmisten und dem Essenzialismus-Ansatz unseres Stadtnomaden-Projekts nur noch drei Paar Schuhe: Joggingschuhe, Sommerschuhe, Winterschuhe, letztere beiden aus Gummi und damit universal einsetzbar. Nimmt einem so viele Entscheidungen ab und macht das Leben deutlich leichter.

Felix: Wie Christina habe auch ich während unserer Umzüge radikal reduziert, bis auf ein Paar. Mir sind meine hellblau leuchtenden Joggingschuhe, die ich mindestens fünf Monate permanent anhatte, aber irgendwann wahnsinnig auf die Nerven gegangen. Inzwischen bin ich auf bunte, klobige Nike Sneakers als Allzweckwaffe umgestiegen. New York geht eigentlich nur in Turnschuhen. Wer Absätze oder enge Herrenschuhe trägt, ist selbst schuld – oder neu in der Stadt.

Herzlichen Dank für dieses Interview!

Buchrezension: Stadtnomaden

Das frisch erschienene Buch „Stadtnomaden: Wie wir in New York eine Wohnung suchten und ein neues Leben fanden“ kommt mir sehr passend in die Finger. Postoperative Krankschreibungen über drei Wochen hinweg machen selbst aus mir, die sonst eher auf kürzere Prosa steht, eine Leseratte.

Kaum habe ich in einer schlaflosen Nacht Hape Kerkelings Pilgerbericht beendet, schon wird die Verpackung vom nächsten Buch aufgerissen. Die ersten 50 Seiten des Umzugsberichtes von Christina Horsten und Felix Zeltner sind schneller gelesen als der neue Morgen anbrechen und die Sonne aufgehen kann. Mit Fug und Recht kann ich behaupten, dass mir die Lektüre dieses 300 Seiten starken Buches Spaß macht.

Umzug im Monatstakt

Als ich erfahre, dass die drei Protagonisten Christina, Felix und Emma bereits den elften Haustürschlüssel in der Hand halten und vor ihrer vorletzten Wohnung stehen, bin ich fast schon traurig, dass sich dieser New-York-Roman bereits dem Ende zuneigt. Und ja: Die Lektüre von Stadtnomaden ist spannend – von Haustür zu Haustür! Ich bin schon fast gewillt zu behaupten: Das wäre doch auch mal hier in Bonn spannend oder im Siebengebirge… von Dorf zu Dorf! Ok, der Vergleich hinkt mächstigst!

Mehr als nur eine Handvoll Lektionen

Neben dem hilfreichen Rat „Sei bereit, dich zu trennen“ ist das Buch eine gelungene Reise quer durch New York. Klar, die Autoren können nicht jede Ecke und jede Kante begutachten und beschreiben, aber das Erlebte bringen sie lebhaft und anschaulich herüber.

Die Webseite zum Buch: www.stadtnomaden-buch.de


1 Kommentar

Interviews - Kathrin Rosi Würtz, M.A. · Mai 20, 2022 um 8:35 am

[…] Stadtnomaden Christina Horsten und Felix Zeltner (Autoren) […]

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